Verschleierungen des Sichtbaren
Dasselbe Motiv. Drei Zustände. Vier Mal. Maya beschreibt in der indischen Philosophie das Spiel der Erscheinungen, die illusorische Natur der sichtbaren Welt. Das ist nicht als eine Verneinung der Wirklichkeit zu verstehen, sondern als eine Einladung, tiefer zu schauen. Was wir sehen, ist nie das Objekt selbst. Es ist immer eine Wahrnehmung mit einer Geschichte, einer Stimmung, einem Zustand des Bewusstseins.
Dasselbe Bild erscheint dreimal. Und doch ist es nie dasselbe. Nicht weil sich das Motiv verändert. Sondern weil sich der Zustand des Sehens verändert. Weil das Licht anders fällt. Weil der Schleier dichter oder transparenter wird. Weil die Wahrnehmung des Betrachters eine andere ist.
Was bleibt, wenn wir alle drei Zustände desselben Motivs nebeneinander sehen? Wir beginnen zu ahnen, dass es das eine, unveränderliche Bild gar nicht gibt. Dass jede Wahrnehmung bereits eine „individuelle Gestaltung“ ist. Dass das Sichtbare immer nur eine momentane Verdichtung von etwas ist, das sich jeder Festlegung entzieht.
Und dann: Präsenz. Der Moment, in dem wir aufhören zu vergleichen und einfach da sind. In dem ein Bild aufhört, ein Bild zu sein und zu einem Zustand wird. Gefühlt, nicht gesehen. Empfangen, nicht gedacht.











