Reflexionen des Unsichtbaren
Hier ist die Sonne als Quelle allen Lichts nicht zu sehen. Der Mond hat kein eigenes Licht. Er ist reiner Reflektor, ohne Leuchten, selbst unsichtbar. Was das Wasser in der Nacht zeigt, ist die Reflexion einer Reflexion des Unsichtbaren. Eine doppelte Abwesenheit, die dennoch als Licht erscheint, als Energie, als stille Präsenz.
Was sehen wir wirklich, wenn wir diese Bilder betrachten? Nicht das Unsichtbare selbst, wir sehen seine Spur. Seinen Abdruck im Sichtbaren. Wir erkennen, dass das, was alles trägt, immer unsichtbar ist. Dass Licht nur dort wahrnehmbar wird, wo es auf etwas trifft. Dass Bewusstsein nur dort erkennbar wird, wo es sich in Form ausdrückt.
Rupert Spira fragt: Wo befindet sich der Geist? Verschwindet das Bewusstsein je? Was liegt im Raum zwischen den Gedanken? Diese Fragen weisen auf einen Erfahrungsraum hin, der sich dem begrifflichen Denken entzieht und nur durch ein Loslassen des gewohnten Fokus zugänglich ist. Es braucht die innere Bereitschaft, sich dem zu überlassen, was geschieht, wenn der Verstand aufhört zu greifen.
Diese Bilder entstehen aus eben dieser inneren Bereitschaft. Nicht aus der Absicht zu zeigen, sondern aus dem Empfangen dessen, was sich ausdrücken will. Cynthia Bourgeault nennt dieses Wissen das Imaginale: nicht ausgedacht, nicht gemacht, nicht persönlich. Es ist nicht das Innenleben des Künstlers. Es ist ein tieferes Wahrnehmungsvermögen, in das sich das vom Willen bestimmte Denken einbetten kann, ohne es zu stören. Es geht mehr ums Empfangen als ums Erschaffen.
Das Wasser trägt diese Qualität: mal strukturiert und pulsierend, ein Energiespeicher voller stiller Kraft, mal eine tiefe schwarze Fläche, scheinbar leer und doch vollständig gegenwärtig. Wer lange genug hinschaut, bemerkt eine tiefe, innere Verschiebung. Der Fokus löst sich auf. Die Gedanken finden keinen Anhaltspunkt mehr. Die anekdotischen Assoziationen, die sofort abrufbaren Erinnerungen, die vertrauten Kategorien des Sehens treten zurück. Was bleibt, ist kein Bild mehr im gewöhnlichen Sinne. Es ist ein Zustand. Gefühlt, nicht gesehen. Oft immer tiefer mit geschlossenen Augen erfahrbar, bleibt das innere Bild lebendig. Zeit und Raum lösen sich auf. Eine Fülle wird fühlbar, die kein Begriff fassen kann. Die trennenden Aktivitäten des Geistes lösen sich auf. Was jetzt geschieht, ist nicht mehr beschreibbar, nur noch erfahrbar. Ein Aufgehen im Sein.
Aus dem Empfangen, ohne den Wunsch zu kreieren, entsteht Form. Und in dieser Form ihre Auflösung.
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