3As

AWARENESS · ATTENTION · AISTHESIS 

Es gibt Erfahrungen, die sich dem Verstand im ersten Moment entziehen, weil sie zu einfach sind. Zu unmittelbar. Zu nah. Der suchende Geist greift vorbei, weil er etwas erwartet, das er erkennen, benennen, einordnen möchte. Aber hier gibt es nichts einzuordnen. Nur Gewahrsein. Nur Sein. 

Damit beschäftigen sich die 3A‘s. Es geht um das Bewusstsein selbst als wahrnehmbarem Inhalt. Nicht das Objekt der Wahrnehmung steht im Mittelpunkt, sondern die Wahrnehmung selbst. Das reine, offene Gewahrsein, das allem zugrunde liegt und das sich keiner Form fügt und doch in Form ausdrücken will. 

Drei Begriffe, drei Bewegungen, die in Wirklichkeit eine einzige sind: 

Awareness: Das weite, stille Gewahrsein, das immer schon da ist. Bevor der erste Gedanke entsteht. Bevor das erste Bild erscheint. Es ist nicht etwas, das wir herstellen oder erreichen können. Es ist das, was ist, wenn alles andere zurücktritt. 

Attention: Die Hinwendung. Das bewusste „Auf Empfang gehen“. Das ist nicht die angespannte Konzentration des Verstandes, sondern eine weiche, offene Aufmerksamkeit, die empfängt, ohne zu etwas zu tun und ohne etwas zu erwarten. 

Aisthesis: Das unmittelbare sinnliche Empfangen, bevor der Verstand eingreift. Das griechische Wort, von dem sich Ästhetik ableitet, meint ursprünglich genau dies: Wahrnehmung in ihrer reinsten Form. Das Spüren, bevor es als Inhalt der Gedanken zu Sprache wird. Das Empfangen, bevor es gedeutet und eingeordnet wird. 

Diese drei sind keine aufeinanderfolgenden Schritte. Sie beschreiben denselben Zustand aus drei verschiedenen Richtungen. Und dieser Zustand ist der Ursprung, aus dem die 3As entstehen. 

Cynthia Bourgeault nennt dieses Wissen das Imaginale: nicht ausgedacht, nicht gemacht, nicht persönlich. Es ist nicht der kreative Gedanke des Künstlers. Es geht nicht um das Kreieren. Es geht ums Empfangen und nicht ums Erschaffen. Wenn wir unsere Fähigkeiten des wertfreien Verstehens und die Erfahrung unseres Seins in Einklang bringen, erhalten wir Zugang zu diesem Wissen. 

Die 3As entstehen aus diesem besonderen Zugang. Da ist keine Absicht zu gestalten. Da ist keine Idee, die umgesetzt werden will. Da ist nur der weite unendliche Raum innerer Stille, in dem jede Form sich auflöst und gleichzeitig sich selbst empfängt. Daraus entsteht tiefes inneres Gewahrsein, das zur Oberfläche drängt,  behutsam, fast zögernd, und mit einer stillen Kraft wieder zur Form wird, die sich nicht erklären lässt. 

Was sieht man, wenn man vor diesen Bildern steht? Fast nichts. Keine Figur, kein Horizont, keine Geste, keine Erklärung. Und doch bemerkt man eine vibrierende Bewegung, wenn man in der Fläche versinkt. Der Fokus löst sich auf. Die Gedanken finden keinen Anhaltspunkt. Was bleibt, ist ein Zustand offener Weite. Ein Raum, der sich in uns öffnet, weil das Bild keinen Widerstand bietet. 

In diesem Raum beginnt etwas zu leuchten. Nicht das Bild, sondern das Gewahrsein selbst. Das, was immer schon da war, bevor wir anfingen zu suchen. 

Nichts. Und darin: alles. 

Titel: A.1
Jahr: 2017 bis 2020
Druckformat
: 160 x 160 cm
Druckverfahren:
Archival Pigmentdruck
Papier: Hahnemühle Photo Rag Ultra Smooth 305 gr. matte
Tinte: Epson Ultrachrome K3 Vivid Magenta
Montage: Kaschiert auf Alu DiBond

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Titel: A.2
Jahr:
2019/2020
Druckformat
: 160 x 160 cm
Druckverfahren:
Archival Pigmentdruck
Papier: Hahnemühle Photo Rag Ultra Smooth 305 gr. matte
Tinte: Epson Ultrachrome K3 Vivid Magenta
Montage: Kaschiert auf Alu DiBond

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