Reflexionen des Unsichtbaren

Anfänglich geht es um innere Abbilder, die durch die Natur dieser Bilder initiiert werden. Wir meinen bei diesen Bildern etwas ganz klar zu sehen, zu erkennen. Der Mond, seine Spiegelung und alle in uns sofort abrufbaren anekdotischen Assoziationen und Erinne-rungen. Wenn wir uns frei von diesen Gedanken machen, gelangen wir in einen „Nicht-Zustand“, der uns an einen neuen Ort der ästhetischen Erfahrung führt. In einem neuen inneren Raum, weit weg von begrifflichen Bezügen und Worten, entsteht ein Energiefeld der inneren Stille. Aus ihr heraus wächst eine Visualisierung von „stiller“ Energie, behutsam und doch so stark.

Unsere innere Wahrnehmung erfährt unbewusst die Reflexion einer Reflexion. Die ge-heimnisvolle zweite Reflexion des Sonnenlichts auf einer Wasseroberfläche. Mal strukturiert, mal tiefe schwarze Fläche. Pulsierend, eben ein Energiespeicher, der auch im tiefsten Dunkel wahrnehmbar und fühlbar ist. Beim Betrachter entsteht der Wunsch, den Blick weich werden zu lassen, den Fokus aufzulösen und sich dem zu überlassen, was geschieht. Auch mit geschlossenen Augen bleibt das innere Bild erhalten, wenn man sich auf diese tiefe, feine Wahrnehmung ein-lässt.
Das Bild ist in uns aktiv, lässt uns Raum und Zeit neu erleben. Es ist eine zeitlose Erfahrung, in der aus der Stille eine noch nie erfahrene Fülle wächst. Der Verstand ist aus-geschaltet, die trennenden Aktivitäten unseres Geistes nicht mehr anwesend, ein Auf-gehen im Sein.

Um diese Qualität der Erfahrung zu machen, müssen wir innerlich bereit sein, vollständig „auf Empfang“ gehen, frei von Erinnerungen und ästhetischen Konzepten der Ver-gangenheit, frei von visuellen Vorstellungen und frei von der Sehnsucht nach Erklärung. So entsteht in uns eine neue Offenheit des Sehens, ein tiefes sich im Inneren erfahren, im unendlichen, zeitlosen Raum.

„Für mich geht Imagination aus den Fähigkeiten des kleinen Ichs und des willentlichen Denkens hervor. Hier geht es um einen mentalen Vorgang, um Ästhetik, um Kunst. Das Imaginale hat mit verkörpertem, subtilem Wissen zu tun, es zerstört den Verstand nicht, aber es bettet ihn in ein tieferes Wahrnehmungsvermögen ein. Das Imaginale ist nicht mein persönliches Innenleben. Es ist nicht ausgedacht, es ist nicht künstlich, es geht nicht um mich. Es geht eher um empfangen als um erschaffen. Wenn wir unsere höheren Fähigkeiten des Verstehens und Seins damit in Einklang bringen, erhalten wir Zugang zu diesem Wissen.“

Das Zitat von Cynthia Bourgeault beschreibt dieses tiefe innere Wissen, für das es keine Worte gibt, weil wir es nicht machen können. Deshalb findet es seinen Weg im „Imagina-len“, wie sie es nennt. Aus dem Empfangen, ohne den Wunsch zu kreieren, entsteht Form.

 

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