Über Vilas

Vilas‘ Wirken entsteht aus einer einfachen und zugleich sehr klaren Einsicht: Unter der Vielfalt unserer Erfahrungen liegt eine einzige Wirklichkeit. Sie ist weder fern noch verborgen und auch nicht erst am Ende eines langen Weges zu finden. Sie ist unmittelbar gegenwärtig als Bewusstsein selbst, als stilles Wissen unseres Seins, als offene Weite, in der alles erscheint.
Diese offene Weite ist die Grundlage seiner Arbeit. Sie ist kein Konzept und keine spirituelle Vorstellung. Sie ist die Erfahrung, dass Gedanken, Gefühle, Körperempfindungen, Beziehungen, Freude und Schmerz auftauchen dürfen, ohne dass wir uns vollständig auf sie einlassen müssen. Was wir gewöhnlich „Ich“ nennen, ist oft mit Geschichten, Erinnerungen, Erwartungen und Ängsten vermischt. Die Arbeit von Vilas setzt genau hier an: im Erkennen dessen, was wir in unserer Essenz sind, und in der Frage, wie diese Erkenntnis im Leben spürbar, teilbar und wirksam werden kann.
Sein Weg wurde früh durch den Zen-Buddhismus geprägt. Ausgebildet an der Kunstakademie Düsseldorf, verband sich sein künstlerischer Forschergeist mit der stillen Frage nach dem Wesentlichen: Was ist wirklich? Was bleibt, wenn alles Wandelbare vergeht? Längere Aufenthalte in Japan und die Auseinandersetzung mit östlicher Philosophie vertieften diese Suche. Später fanden Advaita Vedanta und kaschmirischer Shivaismus ihren Platz in seiner Arbeit. Aus dem Zen kommt die Klarheit des Loslassens. Aus dem Advaita Vedanta die Einsicht in das nicht getrennte Bewusstsein. Aus dem kaschmirischen Shivaismus die Erfahrung, dass diese Wirklichkeit nicht außerhalb des Lebens steht, sondern als Körper, Atem, Bewegung, Beziehung, Kunst und Freude ständig mitschwingt.
Vilas nennt diese Verbindung gelebte Nondualität, nicht als Theorie, sondern als unmittelbare Weise des Daseins. Meditation ist dabei kein Rückzug aus der Welt. Sie ist eine Hinwendung zu dem, was immer schon da ist. In der Stille wird das grundlegende Sein erkannt. In der achtsamen Atmung wird es im Körper spürbar. Hier zeigt sich, dass Bewusstsein nicht getrennt von der Welt ist, sondern sich in jeder Geste, jeder Haltung und jeder Begegnung ausdrückt.
Der Körper spielt in dieser Arbeit eine zentrale Rolle. Er ist kein Randthema und kein Objekt, das geformt, verbessert oder kontrolliert werden muss. Er ist ein Tor zur Erfahrung. In ihm wird sichtbar, ob Erkenntnis nur gedacht oder wirklich gelebt wird. Atem, Empfinden, Stille und Bewegung bilden deshalb eine untrennbare Einheit. Wenn der Körper nicht mehr nur als feste Materie erlebt wird, sondern als lebendiges Feld von Wahrnehmung, beginnt sich auch unser Blick auf die Welt zu verändern. Die Grenze zwischen innen und außen wird durchlässiger. Beziehung wird einfacher. Handeln wird natürlicher. Friede und Freude werden als die Grundqualität des Seins erfahren.
Vilas‘ Kunst entsteht aus offener Weite. Ihr innerstes Prinzip: Bilder, die aus dem Nichts entstehen und sich im Sein auflösen. Sie folgen keinem Konzept und keiner äußeren Botschaft, sondern entstehen aus einem Zustand stiller Empfänglichkeit. In der Betrachtung geht es nicht darum, etwas zu begreifen. Form, Licht, Farbe und Raum öffnen vielmehr eine Schwelle, an der das Bild sich zurücknimmt und der Betrachter in das wortlose Gewahrsein geführt wird, aus dem alles erscheint.
In Vilas‘ Veranstaltungen, Büchern, Meditationen und Kunst geht es nie um eine Spiritualität, die vom Leben getrennt ist. Es geht um Erfahrung, die im Alltag Gestalt annimmt: im Atem, im Körper, im Gespräch, im schöpferischen Ausdruck und in der Begegnung mit anderen Menschen.
Offene Weite bedeutet, mit dem Leben zu schwingen. Sie zeigt sich als stille Gegenwart und als lebendige Teilhabe. In ihr wird erfahrbar, dass Friede und Freude nicht etwas sind, das wir erlernen können. Sie sind die Essenz unseres Seins. Und sie gehören nicht uns allein. Sie sind das, was wir mit allem und mit jedem teilen.