Die Leichtigkeit des Seins 

Die Schwere gehört den Gedanken 

Wenn wir von der Leichtigkeit des Seins sprechen, entsteht leicht ein Missverständnis. Viele hören darin die Hoffnung auf ein einfaches Leben, auf günstige Umstände, auf Harmonie ohne Reibung. Doch Leichtigkeit hat nichts mit Bequemlichkeit zu tun. Sie ist keine Strategie zur Vermeidung von Schwierigkeit. Sie ist auch kein emotionaler Dauerzustand von Freude. Die Leichtigkeit, von der hier die Rede ist, liegt tiefer. Sie ist die natürliche Beschaffenheit unseres Seins, bevor wir beginnen, uns mit dem zu verwechseln, was wir erleben. Fast jeder Mensch erlebt sich in zwei Ebenen, auch wenn diese meist unbewusst vermischt sind. Da ist das konditionierte Selbst, die Summe aus Gedanken, Erinnerungen, Prägungen, Rollen, usw. Und dann ist da das, was all dem vorausgeht: das stille Gewahrsein, das nicht angestrengt ist, leicht und keine Geschichte trägt.

Schwere entsteht nicht durch das Leben selbst, sondern durch Identifikation. In dem Moment, in dem ein Gedanke als „mein Gedanke“ geglaubt wird, entsteht Verdichtung. In dem Moment, in dem ein Gefühl zur Definition meiner Identität wird, entsteht Enge. Das Leben ist Bewegung, aber die Person möchte Stabilität. Das Leben ist Veränderung, aber das Ich sucht Kontrolle. Diese Spannung erzeugt das Gefühl von Last. Die Leichtigkeit des Seins beginnt dort, wo diese Verwechslung erkannt wird, nicht intellektuell, sondern als Erfahrung. Wenn das Sein selbst nicht betroffen ist, verliert selbst Intensität ihren bedrohlichen Charakter. Schmerz kann da sein, ohne zur Geschichte zu werden. Konflikt kann auftreten, ohne die eigene Identität zu erschüttern. Die Leichtigkeit besteht nicht darin, dass nichts Schwieriges mehr geschieht, sondern darin, dass nichts mehr festgehalten werden muss.

Diese Leichtigkeit ist nicht Rückzug. Wenn erkannt wird, dass alles im selben Feld von Bewusstsein erscheint, verändert sich die Beziehung zur Welt radikal. Die Welt ist dann nicht mehr ein Gegenüber, nicht mehr Bedrohung oder Objekt der Kontrolle. Sie ist Ausdruck derselben Wirklichkeit, die ich selbst bin. Handeln geschieht, aber es ist nicht verkrampft. Sprechen geschieht, aber es muss nichts beweisen. Lieben geschieht, aber es klammert nicht. Beziehung wird leicht, wenn sie nicht mehr dazu dient, einen inneren Mangel auszugleichen. Ganz feine Schwingungen von Friede und Freude sind Grundqualitäten der Essenz unseres Seins.